Runder Tisch zu Schäden in der Landwirtschaft durch Saatkrähen

Foto: Corinna Petzold-Mühl

Landkreis Kitzingen – Auf Einladung und unter der Leitung von Landrätin Tamara Bischof fand kürzlich ein Runder Tisch zum Thema „Saatkrähen“ im Landratsamt statt. Angeregt hatte den Termin Wilfried Distler, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Kitzingen. Teilnehmer waren neben betroffenen Landwirten auch Vertreter der Jagdbehörde, der Jägerschaft, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, des Bayerischen Bauernverbands, Umweltreferent des Kreistages und ein Mitarbeiter aus dem Abgeordnetenbüro. Fachlich begleitet wurde der Abend von einem Vertreter der Höheren Naturschutzbehörde von der Regierung von Unterfranken sowie Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts.

Die Saatkrähen haben in jüngster Zeit verstärkt Probleme in der Landwirtschaft gemacht und mehrere Landwirte musste teils erhebliche Schäden erleiden, nun sollten bei dem Termin mögliche Lösungsansätze erörtert werden. In der Diskussion wurde die Vielschichtigkeit des Problems deutlich. Die Saatkrähe unterliegt nicht dem Jagdrecht und ist nach Artenschutzrecht besonders geschützt. Eine Vergrämung der Saatkrähen ist nur schwer umsetzbar, da die Tiere sehr intelligent sind. Eine Zerstörung einer Nestkolonie führt zu einer Aufteilung in „Splitterkolonien“. Auch die Rabenkrähe, welche dem Jagdrecht unterliegt, verursacht teils erhebliche Schäden. Die Unterscheidung zwischen den beiden Vogelarten ist jedoch für die Jäger nicht immer eindeutig möglich, die Jagd ist unverhältnismäßig aufwändig und außerdem unterliegt die Rabenkrähe von Frühjahr bis in den Hochsommer gewissen Schonzeiten.

Warum das Problem aktuell verstärkt aufgetreten ist, wurde durch Erklärungen der Landwirte deutlich: Die EU hat die Genehmigung für das bisher zugelassene Beizmittel „Mesurol“ seit 2021 nicht mehr verlängert. Früher wurden die Maiskörner vor der Aussaat mit der Beize ummantelt, sodass Insekten im Boden die Körner mieden. Seit dem Wegfall der Beize, gibt es an den Wurzeln der Pflanzen wieder Insekten. Die intelligenten Krähen reißen die Pflanzen aus der Erde, um an die Insekten zu gelangen. Die so geschädigten Flächen müssen dann erneut, manchmal sogar mehrmals, neu eingesät werden. Man war sich einig, dass die hohen Schäden in letzter Zeit eindeutig mit dem Wegfall der Beize zusammenhängen.

Es wurden mehrere Lösungsansätze erarbeitet. Um besser gerüstet in das Erntejahr 2022 und in die Zukunft zu gehen, soll von Seiten des Bauernverbandes über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an den Bund der Antrag gestellt werden, für das Beizmittel „Mesurol“ zumindest für den kleinen Anteil der betroffenen Flächen im Landkreis Kitzingen eine Notfallzulassung zu erhalten. Des Weiteren wurden Maßnahmen zur Minderung der Population sowie zur Vergrämung der Saatkrähen direkt auf den Äckern diskutiert.Am Ende des Termins wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Jagd gebildet, um die Lösungsansätze aufzugreifen und weiter auszuarbeiten. Diese wird sich das erste Mal Anfang September 2021 treffen. Ein Schadensausgleich für die geschädigten Landwirte ist für das Erntejahr 2021 soll zumindest geprüft werden. Betroffene können sich an die Untere Naturschutzbehörde 09321/928-6210 oder per Mail an naturschutz@kitzingen.de

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